Aus dem warmen Süden zurück, schon wieder mit einem runden Keramiklavabo, bauen wir wieder weiter.
Die gute Nachricht: das ganze Haus den Winter durch auf 18 Grad geheizt (November bis Ende März), hat uns an Elektrisch nur 400 CHF gekostet. Der Rest kommt bei Luft-Wärmepumpe ja aus der Luft. Und diese ist bis jetzt noch gratis!
Schlechte Nachricht: ein Mäuschen hat sich durch das klitzekleine Wasserabzugloch im Kühlschrank gefressen. Es hat einfach die Isolation und den Plastik ausgenagt bis ein zirka 2 cm grosses Loch bestand und da konnte es dann die unangebrochenen Milch-, Kaffeerahm- und Margarinepackungen anbeissen und die auslaufende Flüssigkeit trinken. Was ungetrunken in den unteren Schrank lief stank dann fürchterlich und im Kühlschrank war der säuerliche Geruch samt Schimmel schrecklich. Nächsten Winter legen wir Teller mit Mäusegift in der Wohnung aus. Aber bis dahin ist ja dann auch der Wohnteil komplett saniert und Mäuschen können nur noch durch offene Türen und Fenster reinspazieren!
Wir legten gleich los und isolierten die Decke der Tenne und Küche. Wieder mit Schafwolle welche wirklich nicht einfach an die Decke zu kriegen ist. Aber mit Humor und ab und zu ausruhen damit die lahmgewordenen Arme wieder runterhängen durften, haben wir es geschafft. Die Decke haben wir dann auch super drangekriegt. Jedoch hat diese Arbeit mindestens 2 Wochen gedauert (wovon immer einige Tage abgezogen werden müssen weil wir sehr gerne Besuch empfangen und da ruht jeweils die Arbeit).
Das nächste, aufwändigste, war danach das Fliesen der ganzen Fläche. Haben uns da die Knie, Hüfte und eigentlich alles geschmerzt! Wir sind halt doch nicht mehr die Jüngsten und tagelang in der Hocke Fliesenkleber auftragen, Fliesen schön flach und mit immer demselben Abstand verlegen ist schlimm. Und jedes Zimmer hat etliche Ecken und Eckchen und jedes Mal mussten die Fliesen noch nach Mass zugeschnitten werden. Endlich fertig, in ein paar Tagen noch das Ausfugen und danach putzen, putzen, putzen. Der Grauschleier geht ja nie weg und eigentlich war es erst sauber und glänzend als ich die ganze Fläche trocken mit einem rauen Tuch feste abrieb und danach den Staub aufsaugte!
Zwischen Küche und Wohnraum hatten wir noch 2 Mauern hochgezogen und es sollte ein Gäste-WC geben. Da wir etwas grössere Menschen sind haben wir die Toilette etwas höher eingebaut. Dies ist sehr praktisch wenn man Rückenschmerzen hat und auch meine über 90jährige Mutti kann besser wieder aufstehen. Besuch mit Körpergrösse unter 1.65M reklamiert aber jedes Mal „ob Gäste bei uns totstürzen sollten“. Die Ablage worin das spanische Lavabo eingelassen ist haben wir aus einem alten, 5cm dicken Brett angefertigt. Kein Schreiner würde uns ja ein Möbel mit echten 100jährigen Wurmlöchern liefern wollen. Gehobelt, geschliffen, entwurmt und lackiert sind diese Hölzer Prachtstücke! Zum Lichtbewegungsmelder haben wir auch ein kleines Radio angeschlossen. Jetzt erschrickt jeder wenn er die Tür öffnet und Licht und Radio zur selben Zeit einschalten. Beim Verlassen der Toilette fragt jeder 2. Besucher wo man nun Licht und Radio löschen kann.
Rolf hat sich dann entschlossen unsere Wände selbst zu gipsen. Wenn es nicht klappte hätten wir immer noch den Fachmann rufen können um zu retten was noch zu retten war. Anfangs ging er forsch drauflos und kippte gleich einen halben Sack Gips in die Schubkarre und fügte ein wenig Wasser hinzu. Danach kam der Hilfeschrei – was ist zu tun wenn es einen grossen Klumpen gibt? Wir haben Wasser zugegeben und ich rührte endlich mit meinem seit 35 Jahren gut funktionierenden Rotel-Mixer. Nach 5 Minuten gab er den Geist auf und ich hatte ein Küchengerät weniger. Der Riesenklumpen Gips wurde dann entsorgt und wir haben neuen Gips in kleineren Portionen angerührt. Aber umgekehrt: zuerst Wasser und dann Gips unter ständigem Rühren (so bereitet man ja auch Saucen zu in der Küche, nicht?) Da konnte Rolf loslegen und ich staunte nur noch: es klappte!!
Aber schön ist es geworden. Eigentlich war da die Küche und ein Teil des Wohnraums endlich beinahe fertig und wohnlich.
Für die grossen Fenster in der Tenne passten zum Glück die Vorhänge von meinem letzten Haus (sie brauchten nur in Länge und Breite umgenäht werden). Auch diejenigen im Büro und Schlafzimmer konnten umgenäht werden und passen.
Die Fassade des Hauses, welche vorne fleckig war, auf der Nordseite unten grau und oben von der früheren Rauchküche schwarz, habe ich versucht zu fegen, bürsten und sogar mit Chemikalien zu putzen. Ein titaneskes Unterfangen und endlich habe ich mich überzeugen lassen, dass Sandstrahlen vielleicht doch nicht so teuer sei wie ich es mir vorstellte. Es passte mir aber nicht, da ich ja meine Zeit in die Renovation dieses Hauses stecken wollte und nicht Fachgeschäften Aufträge erteilen, dies ist zu einfach! Aber hier musste ich klein beigeben und das Resultat war und ist überwältigend. Auch eine Innenwand, welche hässlich aussah, wurde sandgestrahlt. Ich denke es war die schlimmste und hässlichste Wand im ganzen Haus. Aber da wir alle Aussenwände isolierten, sah man diese danach nicht mehr. Und diese Wand war die einzige Innenwand welche bleiben konnte. Rolf und Besucher haben die Wand den ganzen Sommer über kritisiert, aber ich hatte sie liebgewonnen wie ein geerbtes Bild. Als ich beinahe nachgab, habe ich noch als letztes versucht sie zu lackieren, tant pis, 1 Liter Lack und man wird sehen. Die Ueberraschung war dann gewaltig, die Wand wurde sehr schön und die groben Unebenheiten hoben sich noch mehr hervor. Jetzt bemerkte man plötzlich dass die alte Wand aus Brettern eines sehr alten und sehr ausgelaufenen Fussbodes gemacht worden war. Dieses rare Stück gebe ich nicht mehr her und überdeckt mit Platten oder dergleichen wird überhaupt nichts! Oben und in den Ecken sind auch noch die alten Mauselöcher zu sehen. Die führen jetzt aber nicht mehr irgendwohin.
Plötzlich haben wir bemerkt dass die Visitenkarte unseres Hofes eigentlich der Schopf war, welcher etwa 50 Meter vor dem Haus an der Anfahrt steht. Der Schopf war sehr hässlich. Alte Fenster waren an der Aussenseite angebracht. Oben ein schräges Tor einfach aus der Wand gesägt und wieder zugenagelt. Die Westseite, welche dem Besucher „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“ wünscht, hatte fehlende Bretter in der Wand und Löcher wo anscheinend Hühner oder dergleichen ein und aus gegangen waren. Dies musste geändert werden, was nützt ein schönes Haus wenn im Vorgarten eine Vogelscheuche steht!
Wir haben uns darangemacht alles kaputte und morsche wegzunehmen. Dabei haben wir die Bauernzeitung der Schweiz von anno 1914 bis 1920 als Isolation gefunden, mit Adresse an unseren Nachbarn. Telefonnummern waren damals noch 2- oder 3-stellige Zahlen! Die alten Bretter von der Aussenwand des Stalls haben wir wieder aus dem Haufen rausgesucht. Die waren in einem schlimmen Zustand nach einem Winter draussen an einem Haufen, ganz seifig und grau. Aber mit Seifenlauge gefegt und an der Sonne getrocknet hatten sie wieder die silbergrau-braune Patina und dazu noch die ausgewaschenen Jahrringe. Damit haben wir die Fassade wieder komplett und uniform geschlossen. Die Südwandfenster haben wir durch einige alte Fenster vom Bauernhaus ersetzt und innen angeschraubt. So musste Rolf zwar Fensterbretter anbringen, aber der Schopf sah gleich sehr freundlich in die Gegend und bekam gleich auch noch einen Geranienstock pro Fenster.
Die Westseite haben wir fotografiert und kritisch angeschaut. Es stimmte etwas nicht – die Proportionen! Da er am Hang steht, hat er 3 Etagen und ist somit höher als breit. Eine Laube (Balkon) musste her, aber wie wenn man keine Zeit und Lust hat Balken rauszuziehen? Dann hatten wir die Idee dass man eine Laube, wenn sie nicht unbedingt benötigt wird, doch aufhängen kann. Bei der Alteisenannahme hatte ich dicke Ketten gesehen. Bloss wollte der Händler diese mir nicht verkaufen weil sein Chef anscheinend Ketten sammelt (deswegen waren sie sehrwahrscheinlich auch fein säuberlich an einem separaten Haufen). Scheu fragte ich meine immer nette und hilfsbereite Nachbarin ob sie nicht wüsste wo man rostige Ketten kriegt. Welch Glück – sie hatte welche und meinte diese seien nicht mehr zu gebrauchen mit den modernen und starken Landwirtschaftsfahrzeugen. Ich durfte dann 14 kg Ketten (!) holen und wir haben die Laube (auch aus denselben alten Brettern wie die Fassade) gebaut, schöne Ausschnitte rausgesägt und sie anhand der langen Ketten an die Dachbalken aufgehängt. Wir haben uns dann noch 3 Paar alte, grüne Fensterläden besorgt und halbgeschlossen an die Fassade geschraubt. Der genauen Betrachter merkt plötzlich dass hinter der Laube mit Fensterläden gar keine Fenster sind. Top sieht das aus und wir wurden schon gefragt wer denn jetzt in dem Häuschen wohnt.
Hinter dem Haus war bei der Einfahrt so viel Erde weggegraben worden dass alles einzustürzen drohte. Die in die Erde eingelassenen Bretter neigten sich schlimm nach vorne. Da hatten wir uns im vorigen Jahr entschlossen den Aushub unter dem Küchenboden nicht entsorgen zu lassen, sondern das Material an diese einzustürzende Stelle zu karren. Einige alte Balken davor als Mauer und noch einige Schubkarren Erde drauf und schon hatte ich ein schönes Hochbeet wo ich Gemüse anpflanzen kann ohne mich zu bücken - bitte schön! Sogar meine betagte Mutter setzt sich auf die Balkenmauer und bewundert Blumen und Gemüse. Ich freue mich auf die Zukunft wo ich dann mit mehr Zeit, Zweige, Gras, Mist und Erde draufschichten kann – so wie es im Buch steht eben!