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11. November 2008 2 11 /11 /November /2008 17:40

Welche Arbeit und wie viel Unerwartetes uns da entgegenkam in den Wänden: so grosse Wespennester von 1 Meter auf 50 cm kann man sich gar nicht vorstellen. Auch Mäuse haben während 2 Jahrhunderten ihre Spuren hinterlassen. Das Abenteuer waren dann in einer Wand eine Kolonie Fledermäuse. Da diese geschützt sind haben wir die Bretter halbentfernt stehen lassen um nicht zu stören. Abends wussten aber die Fledermäuse nicht ob sie jetzt bei Dunkelheiteinbruch nach draussen oder ins Zimmer wo nur der TV-Apparat lief, fliegen sollten. Rolf hat sie dann eingefangen und nach draussen getragen. Fledermäuse, welche auf dem Boden sitzen kann man leichter einfangen, da sie Mühe haben wieder hochzufliegen. Aber beim ins Bett gehen im Obergeschoss flogen da noch welche im Schlafzimmer herum und wir mussten zuerst alle Fenster öffnen damit sie rausfliegen konnten. Dies wiederum hat uns aber einige sehr lästige Stechmücken ins Zimmer gebracht. Na ja, wir haben es mit Humor genommen und doch gut geschlafen.

Um Wände rauszusägen in einem so alten Holzhaus mussten wir wieder den kompetenten Zimmermann herrufen. Wir wollten ja nicht nach soviel Mühe ein Haus welches sich plötzlich auf die Seite zur Ruhe legt. Mit seiner Hilfe und Rat ging’s dann weiter. Wände, Küche und altes Bad raus. Wieder kamen fleissige Männer und schaufelten den Boden in der alten Küche auf 40 cm aus (die Küche war nicht unterkellert) und nach einbringen von Beton, Wasser- und Abwasserleitungen, elektrischen Leitungen durften wir wieder auf den Knien verschiedenes Isolationsmaterial in 3 Schichten anbringen. Nochmals Bodenheizungsrohre und wieder die „Suppe“ welche nach aushärten „Unterlagsboden“ heisst.

Da, nach Vorschrift vom Raumplanungsamt, eine Einfahrt gebaut werden musste, hat Rolf darunter als Fundament einen Raum gemauert worein dann die Heizung, der Elektrokasten und an einer Wand sogar noch die Chromstahl-Abdeckung der alten Küche passte. Unter die Abdeckung mit Spülbecken passte auch noch gleich die Waschmaschine und Warm- u. Kaltwasser in dem Raum zu haben ist super.




Darüber hat Rolf, er fühlt sich schon wie ein Zimmermann aus dem Mittelalter, Pläne gemacht für die Einfahrt. Wir haben uns daran gewagt, da wir schon (eigentlich Rolf zu 80 % und ich Handlanger zu 20 %) ein Vordach an der Ostseite des Hauses alleine angebracht hatten. Und alles aus alten Balken bitteschön!!

--Holztransport mit PW

Auf diese Weise verwenden wir die Balken vom Dachstuhl wieder. Sie sind alt, aber noch gut erhalten und werden durch fegen mit Meister Proper und danach schleifen, schleifen und nochmals schleifen sooo schööön! Nachdem Rolf alle Balken zugeschnitten hatte fingen wir an aufzurichten. Aber den Firstbalken, welchen Rolf durch ein Loch (wir hatten einige Ziegel im Dach entfernt) im Dach auf einen Balken im Dachstuhl mit Riesenschrauben befestigen sollte, vermochte ich aussen nicht hochzustemmen und geschweige dann auch noch in Balance zu halten. Mit Hilfe Rolf’s Schwager und Schwester haben wir es dann geschafft und waren mächtig stolz.


Jetzt musste wieder der Dachdecker her damit die Uebergänge zum Hausdach auch professionel gemacht wurden. Auch die Ziegellattung und Ziegel wagten wir uns nicht selbst anzubringen. An den Ecken und Enden ist dann doch ein know-how gefragt das nicht jeder hat. Da ich aber schon lange keine Zeit mehr hatte zu zeichnen oder zu sticken musste etwas Kreatives geschehen. In einem Zeichenblock auf Hüselipapier schrieb ich den Namen unseres Hofes und besprach mit dem Dachdecker ob er nicht eine Anzahl dunkelbraune Ziegel bestellen könnte und auf der Talseite des Hauses diese austauschen könnte damit der Name auf dem Dach erscheint. Er hat das Spiel mitgespielt und jetzt prangt auf unserem Dach der Name des Hofes hier.


Das war dann ein Punkt wo wir endlich ins schön gelb-weiss gestrichene und eingerichtete Schlafzimmer und Büro einziehen konnten und auch das neue Bad benutzen durften. Die Küche existierte ja nicht mehr und mein Kochherd stand jetzt draussen unter dem Vordach. Vorräte und Geschirr standen auf 2 Campingtischen und in Kartons. Abwasch war am Brunnen. Aber wenigstens konnte ich im neuen Bad heisses Wasser holen. Das ganze wurde pikant als der Holzertrupp, welche in unserem Wald diesen Winter einen Holzschlag machte, bei uns jeweils das Mittagessen einnahm. Oft regnete es und manchmal schneite es und die Schneeflocken flogen um die Pfannen. Der Elektroherd hat das nur halb überstanden, nach etwa 1 Woche funktionierten nur noch die hinteren 2 Herdplatten und der Backofen. Die vorderen hatten Regen und Schnee nicht ausgehalten und ein Kurzschluss hat sie totgekriegt.

Kochen im Schnee





                und Geschirrspülen


Zwischendurch mussten wir uns im Haus die Finger wärmen, aber die Holzfäller haben trotzdem jeden Tag ein richtiges Essen auf den Tisch gekriegt.






Da der Boden jetzt genügend getrocknet war dass man darauf gehen konnte mussten wir weitermachen. Die leeren Zwischenräume der Wände zwischen den Pfosten haben wir mit dicken Brettern, zugeschnitten, ausgefüllt, damit keine Wespen und Mäuse dort weiterhin hausen und herumspazieren können. Darauf kamen innen 12 cm starke Hölzer und dazwischen die 12 cm dicken Schafwollmatten. Das heisst: 18 cm Holz und 12 cm Schafwolle. Darauf die Innenwände. Wir denken das genügt, ein Minergiehaus wollen wir ja nicht, sonst muss noch ein spezielle Lüftung eingebaut werden.


Der Leser hat vielleicht schon gemerkt dass wir so viel wie möglich selber zu machen wünschten, weil wir Spass daran haben. Die Küche war ein Problem. Jeder Schreiner liefert die Küchenmöbel schon vorgefertigt und baut sie auch noch ein. Ein Schreiner erwiderte auf meine Bitt, dass ich alles selbst zusammenfügen und einbauen möchte: „ja dann muss ich ja alle Schrauben und Scharniere abzählen und schlussendlich passt es dann doch nich“! Wir haben uns schweren Herzens entschieden eine Küche von einem grossen schwedischen Möbelhaus zu bestellen. Dies sind die einzigen welche uns den Spass lassen alles selbst „zusammenzuschrüblen“.

Im Endeffekt müssen wir der üblichen abschätzigen Meinung diesen Möbeln gegenüber widersprechen. Nachdem ein Berater vor Ort unsere Küche im PC berechnet und zusammengestellt hatte, druckte er uns eine „Pflückliste“ aus anhand welcher wir im Lager schlussendlich gegen 150 Pakete in den verschiedenen Abteilen zusammensuchen durften. Unsere beiden Autos waren zum Bersten voll mit flachen Kartonschachteln verschiedener Grössen. Nach 2 Fahrten hatten wir nun unsere Küche hier im Ringgis.

Jetzt hiess es: Ganz ruhig, alles sortieren, bei jedem Karton zuerst alle Schrauben, Nägel, Holzdübel und Scharniere in ein Dessertschälchen tun damit man weiss was zu was passt. Natürlich haben wir manchmal ein Teil falsch zusammengeschraubt, aber wenn man cool bleibt und sich nicht aufregt (übertriebener Kaffeegenuss verboten) liest man eben die Gebrauchsanweisung noch mal, schaut sich die Skizzen ganz genau an und fügt alles nochmals, und diesmal richtig, zusammen. Wir haben die 8 Unterschränke, 3 Oberschränke und 5 Hochschränke (mit Kühlschrank samt Spezialscharniere, Ausziehschrank, Hochschrank mit Backofen und Mikrowelle, Hochschrank mit Tiefkühler auch wieder mit Spezialscharnier) und dann Keramikkochfeld, Abwaschmaschineneinbau und Spülbecken hinter uns gebracht ohne Tränen und Zornausbrüche. Geflucht wird sowieso nicht!







Küche vor und nach Renovation


Mitte Dezember 2007 hat der Elektriker die Küche angeschlossen und auch die Bodenheizung lief super. Da hat Rolf entschiede, dass jetzt genug sei und wir haben die Heizung auf 18 Grad zurückgestellt, das Haus abgeschlossen und sind mit dem Auto nach Südspanien gefahren um den Winter bei Sonnenschein zu geniessen. Die Rückkehr hatten wir für den Frühling festgelegt. Ich Ende März und Rolf Ende April. Er findet Aprilwetter in der Schweiz schrecklich und ich möchte, wenn ich schon die Schneeglöckchen und Krokusse verpasse wenigstens die Aprilglocken blühen sehen.

Und dann musste im Sommer 2008 ja noch der ganze alte Wohnteil renoviert werden.

Bis bald.... 

 

 

 

 

 

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Kommentare

johann 02/23/2010 19:03


Hab mich schon auf sommer 2009 gefreut. Bitte vorwärts machen.Ihr Leser Joh.


Renovation Bauernhaus 02/07/2011 20:27



Sorry aber Sommer 2009 kommt sehrwahrscheinlich nicht. Wir haben inzwischen ein 300jähriges Haus in 3537 Eggiwil in Angriff genommen und werden davon keinen Blog schreiben, weil uns dort die
Denkmalpflege immer wieder in die Quere kommt, was ich besser nicht öffentlich beschreibe..... Aber interessant ist es schon.



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